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Seltener Brief des Dalai Lama Schaustück aus dem 17. Jahrhundert in München Über verschlungene Wege kam ein sehr seltener tibetanischer Brief nach Deutschland, der auf der Internationalen Briefmarken-Börse München zur Schau gestellt wird. Es handelt sich um einen sogenannten Dalai-Lama-Brief, der nach Auskunft eines amerikanischen Sammlers vermutlich um 1640 herum entstanden ist. Bonner Kunsthistoriker bestätigten dem Eigentümer, dem Briefmarkenhändler Marc Kniffka aus Neukirchen-Vluyn, dass es sich tatsächlich um den Brief eines leibhaftigen Dalai Lama handelt. Das Schriftstück, dessen Wert mindestens mit mehreren zehntausend Euro taxiert wird, befasst sich vermutlich mit einer Grundstücksangelegenheit. Fest steht, dass das gute Stück aus der Zeit des fünften Dalai Lama mit dem Namen Ngawang Lobsang Gyatsho stammt. Der lebte von 1617 bis 1682 und gilt als befähigter Staatsmann. Damit wäre es ein sehr frühes Stück dieser Zeitperiode. Von ausgewiesenen Fachleuten für Tibetologie und Buddhismuskunde erwartet Kniffka noch einen schriftliche Befund, der aber leider erst im Sommer erstellt werden kann. Kennzeichnend für die Authentizität ist, dass der Beleg aus gelber Seide gefertigt wurde. Das ist ein Vorrecht, das nach der Gesetzgebung des Kublai Khan ausschließlich dem Herrscher der Mongolen und späteren chinesischen Kaisern vorbehalten war, also auch dem Dalai Lama als Gott im Buddhismus. Alle anderen Bewohnern des Machtbereiches der Mongolen, Chinesen und Tibetanern drohte bei Gebrauch gelber Seide als „Schreibpapier“ nicht weniger als die Todesstrafe. Was die Geschichte um dieses Stück so spannend macht ist, dass der Dalai Lama für viele 100 Millionen Buddhisten ein Heiliger ist – gar nicht mal so überspitzt dargestellt wie für Christen ein Prophet oder aber Jesus Christus. Als kleine Erinnerung können die Messebesucher ein altes Palmblatt-Manuskript mit nach Hause nehmen. Das sind speziell gerollte Nachrichten oder Gebete, die zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert in Nepal und Teilen Tibets der Nachrichtenübermittlung dienten. Laut Auskunft des amerikanischen Sammlers, den Marc Kniffka als erstes kontaktierte, existieren wohl noch einige dieser Belege in tibetanischen Klöstern, von dort gerät aber nichts ins Ausland, da sie zum einen unter der Militärgewalt der Volksrepublik China stehen, zum anderen auch aus kulturellen Gründen nicht herausgegeben werden. Bis ins 20.Jahrhundert war es zum Beispiel allen Fremden untersagt, Tibet überhaupt zu betreten – wie sollte dann so ein Stück überhaupt in den Westen geraten? 10. Januar 2012
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